DER SPEZIALIST VON DEN LOFOTEN

Der ´norwegische Lundehund´, der erst 1943 vom norwegischen Kennelklub als eigenständige Rasse anerkannt wurde, ist die älteste Hunderasse Norwegens und eine der ungewöhnlichsten und seltensten Rassen der Welt.
Der intelligente, lebhafte und eigenwillige Hund erinnert mit seiner rot-braunen und weißen Fellzeichnung an einen Fuchs.
Bei genauerer Betrachtung fallen verschiedene anatomische Besonderheiten ins Auge, die in ihrer Kombination einzigartig sind und die den Lundehund als einen hoch spezialisierten Jäger auszeichnen.

HERKUNFT

Die Rasse ´Norsk Lundehund´ hat ihren Ursprung auf den norwegischen Lofoten.



Die ersten Zeugnisse ihrer Existenz finden sich in Reiseberichten aus dem 15. und 16. Jahrhundert; erstmals im Jahr 1591.



Dabei ist bis zum heutigen Tage nicht mit absoluter Sicherheit geklärt, ob die Rasse für ihren besonderen Einsatzbereich gezüchtet wurde, oder ob sie unter Umständen von dem, vor 5000 Jahren in Russland und Nordlappland vorkommenden Varanger-Hund abstammt.

Papageientaucher oder `Lundevögel´

Diese ca. 30cm großen, zur Gattung der Alke gehörenden Seevögel brüten in riesigen Kolonien an steilen und unzugänglichen Felsenküsten; unter anderem in Nordnorwegen.



In ihren bis zu 2m langen, unterirdischen `Niströhren´ brüten die Vögel und versorgen ihren Nachwuchs.
Der Lundevogel galt als eine willkommene Abwechslung auf der Speisekarte der Nordländer, deren Ernährung hauptsächlich aus Fisch bestand.



Die Daunenfedern der Vögel, die bereits zur Wikingerzeit bis nach Schleswig (historischer Wikingerhafen `Haitabu´) verschifft wurden, sicherten einen guten Zusatzverdienst.

Da der Lebensraum der Lundevögel für Menschen quasi nicht erreichbar war, richtete man Hunde ab, die aufgrund ihrer speziellen Anatomie in der Lage waren, die Vögel in ihren Höhlen zu fangen und lebend zu apportieren – die Lundehunde.



 

ANATOMIE

Ein Lundehund ist beweglich wie eine Katze und orientiert sich auf unwegsamem Untergrund behände wie eine Gemse.



Der mit 31-38cm Schulterhöhe und ca. 7-8kg Körpergewicht relativ zierliche Hund gehört der Gruppe der `nordischen Jagdhunde´ an.
Er besitzt im Gegensatz zu anderen Hunden an jeder Pfote 6 Zehen, von denen 5 voll entwickelt sind.



Die Muskulatur dieser zusätzlichen Zehen an den Vorderpfoten, sowie eine extreme Beweglichkeit der Schultergelenke, führen zu einer einzigartigen Gangart: ein Lundhund `paddelt´ mit seinen Vorderläufen. Das heißt, er beschreibt beim laufen eine halbkreisförmige,
nach außen gerichtete Bewegung.
Die besonderen Schultergelenke ermöglichen den Hunden ihre Vorderläufe im fast 90°-Winkel seitlich abzuspreizen, sowie die Beine in Rückenlage seitlich an den Körper anzulegen.
Die flexible Nackenwirbelsäule erlaubt ein extremes Zurückbiegen des Kopfes bis auf den Rücken.
Die Beweglichkeit des gesamten Körpers versetzt den Lundehund in die Lage, nicht nur behände zu klettern, sondern auch, sich in den extrem engen Niströhren der Lundevögel, teilweise auf der Seite liegend, fortzubewegen.
Um seine Gehörgänge vor Staub und Nässe zu schützen, kann der Hund die (normalerweise aufrecht stehenden Ohren) durch eine weiche Querfalte im Ohrenknorpel sowohl vertikal als auch horizontal verschließen.



Das standardgemäße Scherengebiss weißt üblicherweise 4 Seitenzähne weniger auf, als ein normales Gebiss. Diese Besonderheit ermöglicht dem Lundehund seine Beute zu apportieren ohne sie zu sehr zu quetschen.


WESEN UND BESONDERHEITEN

Der Lundehund ist ein fröhlicher, verspielter, menschenfreundlicher, sensibler, intelligenter, liebenswerter und sehr charmanter kleiner Hund.
Aggressivität ist ihm fremd.
Seinen Bezugspersonen gegenüber verhält er sich loyal und sehr anhänglich, während er sich Fremden gegenüber eher zurückhaltend präsentiert.
Er ist ein sehr sauberer Hund der einige Zeit des Tages damit verbringt sich (beinahe wie eine Katze) zu putzen.
Der momentane, sehr geringe Weltbestand von geschätzten 1300 Tieren, wovon ca. 50 in Deutschland leben, geht nicht zuletzt darauf zurück, dass diese bemerkenswerte Rasse im letzten Jahrhundert schon 3 Mal beinahe ausgestorben wäre.
Dazu kommt, dass pro Wurf im Durchschnitt nur 3 Welpen zur Welt kommen.
Die Lebenserwartung liegt bei 12-14 Jahren.

ERNÄHRUNG

Bei der Ernährung der sonst sehr robusten Rasse ist darauf zu achten, dass der Lundehund einen sehr empfindlichen Verdauungstrakt besitzt und keine Säugetierfette verarbeiten kann.
Sein Organismus ist an eine Ernährung basierend auf Geflügel und Fisch angepasst.

Eine Fütterung mit handelsüblichen (fettreduzierten) Futtern auf Geflügel- oder Fischbasis ist jedoch möglich und kann durch Zugabe von gegartem Gemüse, Fisch, Geflügelfleisch oder Eiern ergänzt werden.
Sehr gut bewährt hat sich die Gabe von 2 Esslöffeln fettarmem Joghurt pro Tag, da die Milchsäurebakterien die Darmtätigkeit unterstützen.

Auffällig ist, dass sich Stress bei einem Lundehund umgehend auf die Verdauung niederschlägt und der Hund, je nach Gemütszustand, auf eine Stresssituation mit Durchfall reagieren kann.

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